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Gebundene Ausgabe: 340 Seiten
Verlag: fabulus Verlag; Auflage: 1.
Erscheinungstermin: 25. August 2016
ISBN-10: 3944788281
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 –
16 Jahre
Lovis ist ein Siegertyp. Geschickt
bewegt er sich in der schillernden Spielewelt, deren Gesetze längst
in sämtlichen Bereichen des Lebens gelten. Eine Clique von
selbstverliebten Juroren hält das Karussel der Castings und Contests
in Gang. Sie sorgen mit drastischen Methoden dafür, dass niemand aus
der Reihe tanzt. Als Lovis sich mit Jo anfreundet, beginnt er am Sinn
der strengen Regeln zu zweifeln. Das Mädchen und er gehen auf
gefährliche Touren. Was sie dabei hinter den Kulissen der
Vergnügungsmaschinerie entdecken, stellt alles Gewohnte infrage. Mit
einigen Gleichgesinnten finden sie Zuflucht in einer alten Manufaktur
und proben den Widerstand. Aber Detektive sind ihnen bereits auf der
Spur. Wird es den Ausreißern gelingen, sich gegen das übermächtige
System zu behaupten und ihren eigenen Ideen zu folgen?
Autor
Yvonne Richter, Jahrgang 1956, machte
nach dem Kunststudium in München noch einen kleinen Umweg als
Kunsterzieherin im Niederbayerischen, bevor sie beim Museum im Koffer
Nürnberg ihre berufliche Heimat fand. Dort baute sie das erste
mobile Kindermuseum auf Tour in Deutschland mit auf, bis sie nach der
Geburt ihrer Tochter 1990 neue Aufgaben suchte und einige Jahre als
Figurentheaterspielerin und Performancekünstlerin unterwegs war.
Dem
Kindermuseum blieb sie jedoch treu und als sich ein festes Haus
formte, das Kinder & Jugendmuseum Nürnberg, stieg sie wieder ein
und gab dem jungen Unternehmen grafisch und gestalterisch sein
unverwechselbares Gesicht.
Seit 2008 schreibt sie Kinder- und
Jugendbücher, die auch von den vielfältigen Erfahrungen mit den
jungen Besucherinnen und Besuchern geprägt sind.
Das in Erdtönen gehaltene Cover
erinnert mich ans Theater. Im Hintergrund ist es recht dunkel, man
sieht die Silouette einer Person, die eine Art Vorhang öffnet und im
Scheinwerfer-Licht steht. Ein Lichtkegel erhellt auch den Bereich
hinter ihm.
Die Covergestaltung sagt mir hier nicht
so zu, ich hätte ohne den Klappentext zu lesen vermutlich ehr
weniger dazu gegriffen.
Was sich für mich aber mehr und mehr
zu einem totalen Hingucker entpuppt ist der Buchschnitt. Er ist wie
jedes meiner Bücher aus dem Fabulus-Verlag farbenfroh gestaltet,
hier ist er wunderschön in leuchtendem Orange.
Spätestens nach DSDS und Co sind
Castings in aller Munde. Wie dies in einer dystopischen Welt auf die
Spitze getrieben werden könnte erzählt dieses Jugendbuch.
Nahrung, Kleidung und auch Wohnraum –
schlichtweg alles, was der Mensch benötigt oder haben möchte, denn
es gibt auch Luxusgüter zu gewinnen, muss erspielt werden. Dabei
werden allerhand lustig klingende Spiele wie „Nasenringgewichtheben“
zu bitterem Ernst, denn nur der Gewinner des jeweiligen Spiels
bekommt einen Preis.
Bei einem dieser Spiele lernt Lovis Jo
kennen. Sie gewinnt den Preis und teilt -obwohl es verboten ist-
heimlich ihr erspieltes Essen mit Lovis. Die beiden werden Freunde
und hegen Zweifel an dem System, das die Menschen in die Knie zwingt.
Die beiden sind recht sympathisch und
sind gut aufeinander abgestimmt. Leider fehlt mir ein wenig mehr
Einsicht in die Gefühlswelt der Protagonisten, da es bestimmt
interessant gewesen wäre zu erkunden, wie sich die einzelnen
Spiele und auch der Zusammenhalt von Jo und Lovis zueinander auf ihre
Psyche ausgewirkt hätte.
Die Handlung von „Casting“ ist
stark aufgebaut auf Themen, die auch Leser ab 10 Jahren interessieren
und bewegen. Konkurrenzdenken und Freundschaft in einer Welt zu
erleben, die stetig von einem verlangt der Beste zu sein und dabei
sich selber und andere zu hinterfragen klingt zwar nicht kindlich,
ist aber bei dem Leistungsdruck dem schon die Jüngsten unterliegen
Alltag.
Hier finde ich hat Yvonne Richter
tolles geleistet. Sie arbeitet die Themen so auf, das sie für junge
Leser zu einem Mehrwert führen und ihnen zeigen, das sie auch
gegebene Systeme hinterfragen sollen, wenn es sich für sie nicht
richtig anfühlt.
Ältere Leser können sich hier aber
auch angesprochen fühlen. Denn auch wenn das Thema „Casting“ in
diese dystopische Atmosphäre projiziert ist fragt man sich, was der
ganze Casting-Wahn aus unserer Gesellschaft macht und was einige
Menschen in Kauf nehmen um ihr kleines Stückchen vom Rampenlicht ab
zu bekommen.
Auch sprachlich orientiert sich Richter
ehr an den jüngeren Lesern. Zwar ist das Buch schön flüssig
geschrieben, jedoch bleiben die Satzkonstrukte und die Wortwahl recht
einfach. Für mich ist dies im Hinblick auf das empfohlene Lesealter
allerdings kein negativ-Kriterium sondern nur erwähnenswert.

In „Casting“ sind aktuelle Themen
in dystopischer Kulisse altersgerecht für junge Leser aufgearbeitet.
Auch wenn ich mir hier und da ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte
konnte mich die Autorin mit ihren Ideen überzeugen.  
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