/ Februar 22, 2018/ Rezension/ 0Kommentare

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Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungstermin: 29. Januar 2018
ISBN-10: 3446258639

Getroffen haben sich Tess und Jonah nur ein einziges Mal. Obwohl sie sieben Monate zusammen waren. In dieser Zeit haben sie alles miteinander geteilt per Chat, Facebook, Tweets, haben sich herzzerreißende E-Mails geschrieben, ihr Innerstes preisgegeben, sich gegenseitig ihre Liebe erklärt. Und trotzdem hat Tess es nicht kommen sehen: Jonahs Selbstmord. Doch Tess sendet weiter Nachrichten an Jonah, ihre erste Liebe. Es ist ihre Art, die Trauer zu verarbeiten. Und eines Tages erhält sie tatsächlich Antwort … Ein außergewöhnlicher Roman über Tod und Abschied in Zeiten von Social Media und darüber, dass jedem Ende ein neuer Anfang – und vielleicht sogar eine neue Liebe – innewohnt.

Peter Bognanni lebt mit seiner Familie in Saint Paul, Minnesota, wo er am Macalester College Kreatives Schreiben unterrichtet. Er ist Absolvent des Writer´s Workshop der Universität von Iowa, Stipendiat der American Academy of Arts and Letters, und Gewinner des Rome Prize. 2010 erschien sein vielfach ausgezeichneter Debütroman „The House of Tomorrow“.Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente(2018) ist sein erstes Jugendbuch.

Danke, nehm ich! – Wenn es jemals ein Coverkauf von mir geben würde, wäre dies Buch sicher dabei. Ich liebe die Schrift, die sich über das gesamte Cover erstreckt, nicht zuletzt weil ich mich momentan viel mit Schriftarten beschäftige und das einfach meinen Blick auf sich zieht. Und dann in diesem wundervollen Galaxy-anmutenden Muster in eben genau den Farben, die mich ansprechen. Auch wenn die Covergestaltung in meine Bewertung des Buches nicht eingeht, allein da hat man schon mal ganze Arbeit geleistet.

So sehr mich das Cover auch begeistert, so ratlos bin ich was den Inhalt angeht.
Aber beginnen wir erst einmal:
In der Geschichte geht es um Tess, die ihre große Liebe Jonah nur ein Mal getroffen hat und übers Internet dennoch sieben Monate eine Beziehung mit ihm führt. Sie teilen alles miteinander und erzählen sich ihre tiefsten Gedanken und Wünsche.
Doch jetzt ist Jonah tot, was Tess so aus dem Konzept bringt, dass sie das Internat, in dem sie wohnt, fluchtartig verlässt und bei ihrem Vater auftaucht, zu dem sie schon länger keinen richtigen Kontakt mehr hatte.
Das Wiedersehen gestaltet sich auch vorerst schwieriger als es unter solchen Umständen vielleicht normal wäre, dennoch scheinen sich beide auf die Situation einzulassen und nähren sich nach und nach an.

Tess ist in ihrem Verhalten ein grundsätzlich normaler Teenager, die es aber versteht ihre eigene Gefühlslage schnell für sich klar zu bekommen. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und verliert trotz der großen Trauer, die sie spürt nicht ihre Schlagfertigkeit, was mir sehr gut gefällt. Auch verfällt sie -zumindest für mein Empfinden- nicht zu sehr ins bockige, was ihre Art gut nachvollziehbar macht.
Sie lernt im Laufe der Geschichte mehr und mehr mit sich und der Trauer umzugehen und schafft es selbst in dem für sie schwersten Verlust bis dahin einen Aspekt zu finden, der sie weitermachen lässt. Ihre Charakterentwicklung finde ich toll und glaubhaft, zumal man durch die Erzählperspektive sehr viel von ihrem inneren Konflikt erfährt.

Diese Erzählperspektive aus der Sicht einer Person, die jemanden verloren hat erlaubt es viele Fragen aufzuwerfen: Hat Tess überhaupt das Recht dazu, sich verlassen zu fühlen, wenn sie und Jonah doch eigentlich „nur“ übers Internet zusammen waren? Und ist das, was beide hatten überhaupt eine Beziehung oder gar Liebe? Wie funktioniert Kennenlernen? Kann man einen Menschen wirklich kennen, den man nur ein Mal gesehen, dafür aber viel mit ihm geschrieben hat?

Vor allem mit dem Thema Tod ist der Autor sehr behutsam umgegangen. Da Trauer für jeden etwas anderes bedeutet und man keinen Masterplan aufstellen sollte, wie „richtiges Trauern“ geht, finde ich es gut, das hier nicht zu sehr ins Detail gegangen wird. Viele Punkte werden angesprochen, jedoch nicht bis ins Kleinste aufgedröselt, denn Trauer ist individuell.

Trotzdem hätte ich mir ein wenig mehr Beleuchtung auf den Aspekt der Internet-Beziehung gewünscht, denn das machte die Geschichte für mich im Klappentext schon interessant. Grade in dieser Zeit, wo sich Freundschaften über hunderte Kilometer entwickeln können und auch Beziehungen für manche Menschen scheinbar funktionieren, selbst ohne sich je gesehen zu haben, hätte ich dies als einen sehr modernen und neuen Ansatz für ein Jugendbuch gesehen.
Das eben genau dieser Punkt zu kurz kam, ist schade.

Was den Schreibstil von Peter Bognanni angeht, freue ich mich schon auf weitere Bücher von ihm. Er hat eine tolle Art zu erzählen, eine moderne und jugendliche Wortwahl, was in diesem Buch hervorragend gepasst hat und mich persönlich gut durch die Geschichte getragen hat.

Auch wenn mich nicht alle Aspekte dieses Buches komplett überzeugen konnten, finde ich den Ansatz wirklich gut gelungen. Vor allem mit dem Thema der Trauerbewältigung wurde sehr sensibel umgegangen. Ich werden den Autor auf jeden Fall im Auge behalten und hoffe er schreibt noch weitere moderne Jugendbücher wie dieses.

 

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