/ März 23, 2019/ Beitrag, Rezension/ 0Kommentare

Broschiert: 160 Seiten
Verlag: Südwest Verlag
Erscheinungstermin: 4. März 2019
ISBN-10: 3517097926

Handlettering ganz individuell

Handletterings sind trendige Statements, doch oftmals bleibt die Individualität auf der Strecke, wenn man Schriften abpaust und zu sehr an der Vorlage hängt. Lise Hellström legt Wert darauf, dass man den Perfektionismus ablegt und stattdessen seinen eigenen Stil entwickelt. Sie zeigt, welche Schriftentypen es gibt, welche Stifte und Papiere sich für welches Projekt eignen und wie man sein eigenes Handlettering aufbaut und dekoriert. Zeitgleich ermutigt sie dazu, Schriften selbst zu entwerfen und Karten, Poster, T-Shirts und sogar Tattoos nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Ganz nebenbei vermittelt sie auf diese Weise auch ihre Lebensphilosophie, sich nicht verbiegen zu lassen und mutig den eigenen Weg zu gehen.

Lise Hellström hat ihren Job als Marketing-Managerin aufgegeben, um sich voll und ganz auf ihre freiberufliche Tätigkeit als Illustratorin konzentrieren zu können. Die Schwedin erhält Anfragen aus aller Welt, um Logos, Plakate und Verpackungen zu designen. Ihr englischsprachiger Instagram-Account ist mittlerweile auf über 160.000 Abonnenten angewachsen. Sie will ihren Fans helfen, ihren eigenen Ausdruck zu finden und einzigartig statt perfekt zu schreiben.

Seit ich das Cover das erste Mal gesehen habe bin ich begeistert davon. Man sieht Lise Hellström in einem recht rustikalen Setting, ein paar Blümchen und viel Gelettertes an der Wand hinter ihr.
Licht und Schatten spielen hier so toll miteinander, das eine schöne Atmosphäre erzeugt wird und man als Betrachter das Gefühl hat, man sitzt Lise am Tisch gegenüber und probiert sich mit ihr an Schriften.

Da ich schon einige Handlettering-Bücher in meinem Regal stehen habe, die alle mehr oder weniger den selben Aufbau haben, dachte ich, hier kann mich nichts groß überraschen. Es werden ein paar Seiten „Vorgeplänkel“ da sein, danach ein wenig „das ist wichtig“ und „das braucht man“, bevor man zum Herzstück der Lettering-Bücher kommt: Den Schriftarten.

Ja, da hat mich die Autorin hier wirklich überrascht!
Man findet keine Schriftarten und keinen typischen Aufbau. Viel mehr findet man den perfekten Coach, der einem zur Seite steht und sagt

„es ist gut, so wie es ist. Und wenn es ist, wie es ist, ist es gut!“.

Viel mehr, als auf perfekt symmetrische Buchstaben, wird hier der Fokus in der Individualität gelegt. Das Buch inspiriert dazu, Mut zu haben, etwas zu versuchen. Ruhig auch den Radiergummi zu benutzen, wenn etwas nicht so aussieht, wie man es haben möchte, bei allem aber den Spaß nicht zu verlieren.

Es werden unterschiedliche Techniken gezeigt und wie man diese gut miteinander kombinieren kann, dazu einige tolle Tipps, wie sich das erstellte Lettering gut in Szene setzen kann und auf welchen Materialien man tolle Effekte erzielen kann.

Natürlich gibt es hier und da auch fertige Letterings, die man als Vorlage nehmen kann, doch der Großteil des Buches dreht sich um Individualität. Wie erstellt man eigentlich Buchstaben? Wie baut man einen Satz, Spruch oder gar ein einziges Wort optisch geschickt, das man das fertige Kunstwerk am liebsten direkt rahmen und aufstellen möchte?

Wer nach diesem Buch nicht selber voller Tatendrang steckt, hat selber Schuld.

Lises Lettering ist das für mich ungewöhnlichste Buch über Handlettering und zugleich das Beste. Es geht um Spaß, Inspiration und vor allem darum nicht irgendein Lettering zu erstellen sondern sein wirklich eigenes, individuelles Lettering.
Wer einfach nur schöne Schriftarten in Buchform haben möchte ist hier an der falschen Adresse. Wer aber Lust am tüfteln, probieren und am eigenen, vielleicht nicht ganz perfekten Ausdruck hat, der kommt hier absolut auf seine Kosten.

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